Expositions

Erste Kontakte, erste „Exponate“ (von 1492 bis ins 18. Jahrhundert)

„Seit der Renaissance und der Eroberung Amerikas beherrscht Rassismus die Welt: in den Kolonien raubt er den Mehrheiten ihre Würde; in den Zentren kolonialer Macht zwingt er die Minderheiten ins Abseits.“

Eduardo Galeano (2005)

Das Jahr 1492 erschüttert die europäische Weltsicht. Die spanischen Eroberer kommen in Kontakt mit amerikanischen Ureinwohnern und halten sie für „Wilde“. Christoph Kolumbus stellt am spanischen Hof sechs Indianer zur Schau und löst damit  eine „Modewelle“ aus. Im Jahr 1528 präsentiert Hermàn Cortés aztekische Artisten am Hof Karl V. Als der französische König Heinrich II. 1550 in Rouen einzieht, lässt man ihm zu Ehren am Seineufer Tupinamba-Indianer aus Brasilien auftreten. Zur selben Zeit lässt der spanische König Karl V. seine Gelehrten über die Frage diskutieren, ob die Indianer vernunftbegabt seien und man sie versklaven dürfe oder nicht. Eine Hierarchisierung auf Basis der Hautfarbe etabliert sich. Millionen von Afrikanern werden Opfer des überseeischen Sklavenhandels. Man zeigt die „Wilden“ auch öffentlich. Wegen ihrer außerordentlich starken Körperbehaarung widerfährt dies zum Beispiel sowohl Antonietta Gonsalvus als auch ihrem Vater Petrus Gonsalvus, der im Alter von 10 Jahren an König Heinrich II. „verschenkt“ wurde. Im 16. Jahrhundert erfreuen sich auch Kuriositätenkabinette immer größerer Beliebtheit in Adel und Hochadel.

Im Jahr 1654 werden vier aus Grönland entführte Inuit – drei Frauen und ein Mann – dem dänischen König Friedrich III. präsentiert, was die Begeisterung für „Exotisches“ weiter anfacht.  Die vier Inuit sterben fünf Jahre später in Kopenhagen. Im 17. Jahrhundert steht das Bild des „edlen Wilden“ dem des „blutrünstigen Barbaren“ gegenüber. Immer häufiger werden Menschen in Tavernen und Jahrmarktsbuden zur Schau gestellt. Ende des 18. Jahrhunderts erwacht auch das Interesse der Wissenschaftler. Einzelne Personen werden richtig prominent, beispielsweise der Polynesier Aotourouv, der 1769 in Paris König Ludwig XV. vorgeführt wird.In London wird 1774 der  Polynesier Omaï berühmt. Von nun an gibt es eine Berührungsfläche zwischen der Welt des Spektakels und der Welt der Wissenschaft. Im 19. Jahrhundert wird die Sicht auf außereuropäische Ethnien, wie sie durch diese Schaustellungen verbreitet wird, immer stärker hierarchisch geprägt.

 

Der Polynesier Omaï (1774-1776)

Im Jahr 1774 erreicht der junge Südseeinsulaner Omaï mit Cooks zweiter Expedition England, wo er zwei Jahre bleibt. Man zieht ihm einen samtenen Mantel an, eine seidene Weste und Hosen aus Satin, unterweist ihn in höfischer Etikette und stellt ihn dem englischen König George II. vor. Bei Hofe wird er mit Hochachtung und Ehrerbietung empfangen. Seine Vornehmheit bestärkt das Londoner Publikum in der Überzeugung, dass Omaï ein Gesandter des Hofs von Otaheite (Tahiti) ist. Er wird rasch berühmt, wird gemalt, beschrieben, karikiert und sogar in einer Pantomime dargestellt.

 


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